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Dein Leben läuft. Aber lebst Du es auch?

by | Okt. 1, 2026

Ich sage meinen KundInnen und KlientInnen sehr oft, sie sollen sich Zeit für sich selbst nehmen. Und dann ertappe ich mich dabei, wie ich selbst im permanenten Funktionsmodus feststecke.

Genau diese Ironie beschäftigt mich seit einiger Zeit. Dabei bin ich eigentlich die Königin im Chillen. Deshalb bin ich auch nicht Mutter geworden. Und ich habe mir bewusst keine eigene Praxis als Heilpraktikerin aufgebaut oder ein Massagestudio mit Angestellten eröffnet, mit allem an festen Kosten und Verpflichtungen, das da dranhängt. Mir war wichtig, frei zu bleiben. Wenn ich mal wieder länger verreise, will ich z.B. keine Raummiete im Nacken haben. Andere brauchen genau diese Struktur und blühen darin auf, das ist am Ende eine Typsache.

Trotzdem hat sich mein Alltag in den letzten zwei Jahren ziemlich verschoben. Und ich stelle immer wieder mal fest: Dein Leben läuft. Aber lebst Du es auch?

Vielleicht kennst Du auch das Gefühl, Dich für eine Pause fast rechtfertigen zu müssen. Oder das schlechte Gewissen, das sich einschleicht, sobald Du wirklich mal nichts tust. Vielleicht bleibt von Deinem Wochenende am Ende auch einfach nicht viel mehr übrig als Liegen und Nichtstun, nicht weil Du das so willst, sondern weil schlicht keine Kraft mehr da ist für die Dinge, die Dir eigentlich Freude machen würden. Wenn Dir das bekannt vorkommt: In diesem Artikel geht es genau darum.

Inhalt

Weg_zum_Kinkilliosa
  1. Wie ich vom Lernen ins Produzieren gerutscht bin
  2. Warum reines Sein so schwer auszuhalten ist
  3. Wie ich mich selbst austricksen muss
  4. Was Körper und Nervensystem damit zu tun haben
  5. Warum sich ein volles Leben trotzdem leer anfühlen kann
  6. Wie ich zurück zu meinen eigenen Wünschen finde

Kurz gesagt geht es um den Unterschied zwischen Tun und Sein, um ein paar einfache Hebel für Dein Nervensystem und um die Frage, wie Du wieder herausfindest, was Dir tatsächlich Freude bringt.

1. Wie ich vom Lernen ins Produzieren gerutscht bin

Vom Fortbilden zum ständigen Output

Noch vor ein paar Jahren habe ich mich neben dem freie Zeit genießen und mich mit lieben Menschen umgeben in meiner arbeitsfreie Zeit v.. fortgebildet. Ich habe am See Fachbücher gelesen, zu Hause auf der Coach Videos zum Thema Heilung, Psychologie, Astrologie etc angeschaut.

Seit etwa zwei Jahren bin ich jedoch fast nur noch mit Output beschäftigt. Content für Instagram, Blogartikel, Newsletter. Das fühlt sich auf eine Art befriedigender an, weil ich nicht konsumiere, sondern etwas gebe. Aber am Ende hält es mich genauso ständig beschäftigt wie vorher und finanziell kommt bisher nicht mal viel dabei herum.

Warum ich zumindest Teile davon dennoch weiter betreibe – habe ich im Zuge einer Blogparade für Selbständige in meinem letzten Artikel geteilt: Warum tu ich mir das eigentlich an?

Wachstum, das sich nicht in Geld zeigt

Meine Existenz hängt nicht davon ab, ob sich dieser ganze Aufwand mit Content, Blogartikeln und Newsletter jemals finanziell auszahlt. Mein eigentliches Körperarbeitsbusiness läuft seit Jahren stabil, ganz ohne dass ich dafür ständig neue Inhalte produzieren müsste. Die ganze Energie, die gerade in Output fließt, steckt in etwas Neuem, das ich zusätzlich in die Welt bringen möchte.

Allerdings habe ich gerade bei dem mehrmaligen monatelangen Contentproduzieren für Instagram und Facebook bemerkt, dass ich genau dabei das verliere, was ich anderen empfehle: nämlich regelmäßig für Entspannung zu sorgen, den Kopf frei zu bekommen und sich um das „echte“ Leben zu kümmern. Ich habe nämlich angefangen alles was ich mache in Posts zu beurteilen und ständig Fotos und kleine Videos gemacht für die nächste „story“. Dabei habe ich aufgehört zu spüren was ich tue, weil meine Aufmerksamkeit zu sehr im Außen verweilte – wie das aussieht und was der beste Hook für dieses oder jenes ist und wie man das so formuliert, dass es verkauft. Auch wenn es nie verkauft hat – den Dreh hab ich bei aller Bemühung nicht rausbekommen 🙂

Mir wurde das dann alles zu blöd und ich wollte mich wieder mehr spüren und lebendig fühlen und nicht mehr nur in Social Media Beiträgen denken und agieren. Aber irgendwas muss man ja tun für die Sichtbarkeit. Blogartikel und Newsletter schreiben macht mir sogar meistens Spaß und fühlen sich weniger stressig an. Auch weil es nicht so eine Masse ist, die erforderlich ist.

Meine neuste Herausforderung ist jedoch der online Kongress „Sicher in Dir“, der mir innerlich wirklich großes Wachstum gebracht hat. Aber auch darüber habe ich im letzten Artikel schon geschrieben.

Unabhängig vom Geld haben also all diese Bemühungen mich zu einem anderen Menschen gemacht. Sie dienen meiner Entwicklung. Unterm Strich fühlt sich der Wechsel vom Konsum in den Produktionsmodus richtig an.


2. Warum reines Sein so schwer auszuhalten ist

Trotz dem Gefühl auf meinem ureigenen Weg durch diese Wendung ein Stück weiter gekommen zu sein und die notwendige Abbiegung genommen zu haben, fühle ich mich manchmal leer. Dann z.B., wenn ich wieder mal ein paar To do´s abgehakt habe. Weil ich dabei so sehr im funktionalen Tun bin, dass ich das Sein und das Fühlen vernachlässige. Und damit den Kontakt zu mir selbst. Dann stelle ich mal wieder fest: Dein Leben läuft. Aber lebst Du es auch?

Die Vergleichsfalle

Ohne Kontakt zu mir selbst, lande ich mit meiner Orientierung automatisch im Außen. Und da bleibt es nicht aus, dass ich mich alsbald mit anderen vergleiche. Die schreiben viel bessere und interessantere Blogartikel, haben mehr Fachwissen, bekommen viel mehr Anfragen und Buchungen. Vielleicht kennst Du sowas auch.

Sobald ich mich dabei ertappe, wende ich mich mal wieder nach innen: spüren, fühlen, und v.a. nehme ich Verbindung zu meinem Herzen auf. Dann wird das alles wieder unwichtig. Dann zählt nur das Jetzt und das Fühlen.

Wenn Funktionieren die einzige Sprache ist, die Menschen kennen

Bei einigen Menschen in meinem Umfeld, v.a. meiner Kundschaft, fällt mir auf, dass sie diese letzte Ebene, das Bei-sich-Sein und Fühlen, gar nicht kennen. Für sie ist Machen, Funktionieren, Produzieren und Leisten und eben sich mit irgendwas ablenken das Einzige, was sie gelernt haben. Wer eine Familie oder eine Menge hilfebedürftige Freunde oder Bekannte hat, für den hört das Leisten nach der Arbeit nicht auf.

Bei mir fallen diese Aspekte größtenteils weg. Ich habe zwar ein paar Freunde, die ab und zu Unterstützung brauchen, meistens in Form von Behandlungen, Anregungen oder einem empathischen Ohr. Aber das ist nicht ständig, sondern hin und wieder.

Ein Teil des Produktivitäts-Wahns in meinem Fall liegt sicher auch an meiner astrologischen Veranlagung als Sonnenzeichen Jungfrau, dem fleißigen Bienchen. Und an meiner Prägung durch meinen Vater, der sich im Grunde auch in jeder arbeitsfreien Zeit innerlich und fachlich weiterbildet. Der andere Teil, nun wir alle fühlen uns oft sicherer im Tun als im Sein. Aber dazu weiter unten noch ein, zwei Gedanken mehr.


3. Wie ich mich selbst austricksen muss

Verabredungen als Notbremse

Ich halte mich also ganz allein beschäftigt, völlig egal ob Wochenende oder Wochentag ist. Um mich selbst auszutricksen, plane ich mir ab und zu Treffen mit Freunden, ein Tanzevent oder gehe zum Singen in eine Gruppe, damit ich nicht zuhause am Rechner sitze und wieder irgendetwas fabriziere. Allerdings stelle ich auch da fest, dass so ab und zu eingeschoben, es mir ganz schön schwer fällt, dann auf Knopfdruck abzuschalten. Beim tanzen und singen, wenn ich einfach im Körper und jetzt bin, geht es noch eher als beim Treffen mit Freunden. Da kommt recht schnell der Gedanke an was ich noch so machen wollte…

Was bei mir Tanzen oder Singen ist, kann bei Dir eine feste Sportstunde sein, ein Spaziergang ganz ohne Handy oder eine Verabredung zum gemeinsamen Kochen. Entscheidend ist nicht die Aktivität selbst, sondern dass sie Dich aus dem Funktionsmodus holt. Und am besten aus dem Kopf raus und zurück in den Körper – dort bekommt man am leichtesten in Kontakt mit sich selbst.

Sommer, See und ein Buch

Im Sommer fällt es mir deutlich leichter, immer mal wieder aus dem Produktionsmodus herauszukommen, weil ich es liebe, echsenmäßig in der Sonne am See zu liegen und ein Buch zu lesen. Auch da lese ich zwar wieder ein Buch, aber zumindest neuerdings wieder Romane und nicht nur Fachliteratur.

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Das spanische Tal ohne Strom und Internet

Wenn ich wie jetzt gerade mal wieder ein paar Wochen in meinem zweiten Zuhause im Outback eines spanischen Tals bin, wo es kaum Internetverbindung gibt und Strom nur über eine Solarbox kommt, klappt es inzwischen ganz gut, einfach dazusitzen und mit der Natur zu sein. Ich liebe es den Wind in den Bäumen rauschen zu hören, dem Summen und Sirren der vielen kleinen Insekten zu lauschen und die Atmosphäre dieses doch auch etwas rauhen Bergmassives im Hintergrund auf mich wirken zu lassen. Um mich lebendig zu fühlen versetze ich mich immer mal wieder in die mich umgebende Natur hinein und versuche sie mit allen Sinnen zu erfassen. Das bringt auch ein Gefühl zum großen ganzen dazuzugehören und beruhigt allein damit das Nervensystem.

Dennoch liebe ich es immer mal wieder Stunden in die Welt eines Buches zu verschwinden. Und dennoch: es ist zwar ein Genuss, kommt mir aber manchmal trotzdem so vor, als hätte ich ein Stück meines eigenen Lebens verpasst, wenn ich wieder davon auftauche.

Interessant finde ich, dass es gerade dort oft so ist, dass ich mich kaum aufraffen kann, irgendetwas zu tun. Es ist so, als ob sobald die Geschäftigkeit einmal abgefallen ist, der (innere) Motor ausgeht. Ich nehme mir dann vor, endlich die eine oder andere Pflanze einzusetzen oder ein Stück Gestrüpp zu schneiden. Aber sobald der Funktionsmodus einmal abgelegt ist, will ich eigentlich nur noch abhängen.

4. Was Körper und Nervensystem damit zu tun haben

Warum aus Pause plötzlich nur noch Abhängen wird

Was im spanischen Tal mit mir passiert, hat vermutlich weniger mit dem Ort selbst zu tun als mit dem, was vorher passiert. Wenn ich zwischendurch nie wirklich abschalte, sondern von einer Aufgabe direkt in die nächste hetze, sammelt sich die Anspannung im Körper an, ohne dass sie je wieder abfließt. Sobald ich dann tatsächlich frei habe, kann ich nicht einfach in einen aktiven, erfüllten Zustand wechseln. Es geht schlicht nichts mehr außer liegen, lesen, abhängen. Der Körper holt sich dann mit Gewalt, was ich ihm die ganze Zeit über verweigert habe.

Man muss dazu sagen, dass ich seit einiger Zeit ja auch ständig mit Laptop Arbeit beschäftigt bin, wenn ich eigentlich „im Urlaub“ bin. Und da es imm spanischen Tal weder Strom noch nennenswerten Internetempfang gibt, bin ich immer am arbeiten, wenn ich in die Zivilistaion zum einkaufen, Wasser holen (auch das gibt es nicht im Tal) oder ins Meer springen fahre. Dadurch ist dann mein Abhängen auch als „Erholung“ von der Arbeit zu sehen 🙂

Wenn ich länger da bin und ein paar Tage endlich mal keine Laptop Arbeit hatte, entsteht auch wieder Lust mich an der Verschönerung des Platzes zu beteiligen.

Viele Menschen erleben ihr Wochenende auf dieselbe Weise. Sie kommen freitagabends nach Hause und schaffen es tagelang kaum von der Couch, nicht weil sie faul sind, sondern weil sie die ganze Woche über nie kurz innegehalten haben. Erst am Sonntagabend ist genug Anspannung abgebaut, dass am Montag überhaupt wieder Energie für die Arbeit da ist. WEnn man dann ein paar Tage länger frei hätte könnte man auch mal etwas unternehmen. Das Wochenende wird so gar nicht zur Erholung genutzt, sondern zur reinen Regeneration von einem Zustand, der eigentlich schon unter der Woche hätte reguliert werden müssen. Genau hier setzt das Nervensystem an.

Das übersteuerte Nervensystem

Für meinen Online Kongress habe ich kürzlich eine Ärztin zum Thema Mitochondrien und Energiestoffwechsel interviewt. Dabei ging es auch um das Gefühl, im Hamsterrad zu hängen und nicht mehr herauszukommen. Auf körperlicher Ebene hängt das oft mit einem übersteuerten Sympathikus zusammen. Der lässt sich mit kleinen Hacks immer wieder zu einer Pause bringen, damit der Parasympathikus ebenfalls eine Chance bekommt.

Ein einfacher Atem-Hack

Ein einfacher Hack ist es, dreimal auf vier einzuatmen und auf acht auszuatmen. Wichtig dabei ist, dass Du Dir feste Anker setzt und es nicht nur vage vornimmst, mit einem Ziel wie ich mach das jetzt viermal am Tag.

Ein guter Anker ist zum Beispiel, Dir als feste Regel vorzunehmen, sobald Du auf die Toilette gehst. Das ist doppelt sinnvoll, weil es dort auch leichter funktioniert. Dort lässt Du ohnehin schon los, sodass sich gleich noch etwas mehr Entspannung über den Parasympathikus einbringen lässt.

Ein zweiter Anker könnte das Zähneputzen sein, oder die Minute, in der der Wasserkocher hochkocht. Welcher Moment es genau ist, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass Du ihn fest mit etwas verknüpfst, das ohnehin täglich passiert. So wird die Regulation zur Gewohnheit und nicht zum guten Vorsatz, der nach drei Tagen wieder einschläft.

Kreise im sand

5. Warum sich ein volles Leben trotzdem leer anfühlen kann

Verlorene Verbindung durch Druck

Zurück zur Ausgangsfrage. Warum fühle ich mich leer, obwohl mein Leben läuft? Meiner Ansicht nach hängt das grundlegend damit zusammen, dass durch das Funktionieren und den Druck dahinter die gefühlte Verbindung zu mir selbst verloren geht.

Die Endlosschleife der Zielorientierung

Auch unsere Zielorientiertheit trägt dazu bei, in dieser Ausrichtung festzuhängen. Wir sind permanent auf die nächste Etappe ausgerichtet, nach dem Blogartikel ist vor dem Blogartikel, und so weiter. Wer in einer Endlosschleife hängt und nie ankommt, dessen Körper schaltet irgendwann auf Notprogramm und Energiesparen um. Bei mir zeigt sich das so, dass ich auf viele Dinge, die ich in meiner Freizeit machen könnte, gar keine Lust habe. Stattdessen mache ich lieber mit dem weiter, was mir sinnhaft erscheint und jemand anderem etwas bringt.

Leben, das immer erst noch anfängt

Es gibt bei mir noch eine weitere Facette davon, warum ich mich manchmal leer fühle. Immer wieder stelle ich fest, dass ich in einer Art lebe, als würde mein eigentliches Leben erst noch anfangen. Während der Schulzeit war das noch nachvollziehbar, ich habe auf die Zeit danach gewartet. Während des Studiums ging das ähnlich weiter, auch das war irgendwie verständlich. Nur in meinem ersten Berliner Jahr hat sich das für eine Weile geändert, da habe ich wirklich im Jetzt gelebt. Wenn ich heute genau hinfühle, spüre ich wieder eine Nuance davon.

Ich glaube, das liegt an unserer weitverbreiteten Zukunftsorientierung. Wir leben selten wirklich im Jetzt. Fast alles tun wir, um irgendwann etwas anderes zu erreichen, und vergessen dabei, im Moment selbst zu leben. Das Jetzt lässt sich aber nur über den Körper erfahren, weil der Körper immer im Jetzt ist. Genau deshalb ist meine Arbeit so körperorientiert, sowohl in der Hands-on-Arbeit als auch in den Coaching Sessions. Wenn ich in meinem Körper bin, fühle ich mich lebendig.

Sicherheit statt Stillstand

Neben dem Nervensystem gibt es noch einen zweiten Grund, warum wir uns ständig beschäftigt halten. Es geht ums Sicherheitsgefühl. Solange ich beschäftigt bin, kommen vielleicht keine Gefühle hoch, die ich seit Jahren wegdrücke. Solange ich beschäftigt bin, muss ich mir mein eigenes Leben nicht wirklich anschauen. Und manchmal treibt mich die Geschäftigkeit für den eigenen Erfolg auch deshalb an, weil ich mich ohne Leistung wertlos fühle.

All das läuft am Ende auf denselben Punkt hinaus: Menschen wollen sich sicher fühlen, und die meisten versuchen, das über Strategien im Außen zu erreichen, über Leistung, über Kontrolle, über ständiges Tun. Innehalten löst dagegen oft erst mal Angst und Unruhe aus, bevor daraus echte Ruhe werden kann.


6. Wie ich zurück zu meinen eigenen Wünschen finde

Der Körper als Kompass

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Der Körper ist für mich wie oben erwähnt, dabei ein guter Barometer. Wenn mir ein paar Dinge einfallen, von denen ich glaube, sie könnten meine Wünsche darstellen, dann spüre ich in den Körper hinein und stelle mir vor, in dieser Situation zu sein. Dann fühle ich hin, was dort passiert. Wenn es weiter wird in mir und sich Entspannung ausbreitet, kann ich davon ausgehen, dass es sich lohnt diesem Wunsch nachzugehen. Wenn sich stattdessen aber eher etwas anspannt oder eng wird (auch wenn einem das unlogisch vorkommt, weil man glaubt ja sich das zu wünschen) kann man es nochmal hinterfragen. Manchmal verlieren wir uns in der Illusion wie schön etwas wäre und wundern uns, dass es nie in diese Richtung geht. Oftmals stecken hier unbewusste Ängste dahinter. Der Körper kann hier helfen, das aufzudecken.

Was mich wirklich nährt

Grundsätzlich nährt mich alles, was mich im Körper wohl fühlen lässt. Am schönsten ist es, wenn ich die Energie strömen fühlen kann, das was meiner Arbeit den Namen gegeben hat: Somatic Flow.

Meistens sind das eher ruhige und unspektakuläre Sachen. Als Kind habe ich Bücher regelrecht verschlungen, dann wollte ich lange Jahre nur noch Fachbücher lesen, um mich weiterzubilden. Seit einiger Zeit liebe ich es wieder, im Sommer in der Sonne oder in der Hängematte und im Winter auf der Couch zu liegen und in fremde Welten einzutauchen. In der wärmeren Jahreszeit nährt es mich, Zeit am Wasser und in der Sonne zu verbringen. Aber auch Spaziergänge im Wald oder eine Wanderung in den Bergen lassen mich lebendig und Teil dieses Lebens fühlen. Für mich haben Aktivitäten und Aufenthalte in der Natur generell den größten Nährwert. Tanzen und Singen erfüllt mich je nach Setting auch sehr, genauso wie ein tiefgehender Austausch mit anderen Menschen.

Kulturelle Dinge wie Theater, Kino, Club, Kneipe oder Partys gehören dagegen nicht (mehr) zu meinen Favoriten. Vermutlich habe ich dabei nicht so einen guten Kontakt zu mir selbst und lasse mich zu sehr nach außen und von mir wegziehen.

Das ist bei jedem Menschen sicher anders.

Vielleicht bist Du eher der Typ fürs Kochen, für Sport, für ein Konzert mit Freunden oder für ein Wochenende in der Stadt.

Entscheidend ist nicht die konkrete Aktivität, sondern ob Dein Geist dabei wirklich zur Ruhe kommt oder ob Du nur eine andere Form von Ablenkung suchst. Mein Motto lautet trotzdem: Folge der Freude.


Fazit

Wenn ich merke, dass ich wieder mal zu nichts wirklich Lust habe und stattdessen an meinem Laptop klebe und To Do Listen abhake, ist das für mich ein klares Signal. Dann klappe ich das Ding zu, suche echte Menschen und echte Dinge auf oder gehe zumindest eine Runde durch den Park.

Vielleicht erkennst Du Dich in der einen oder anderen Zeile wieder. Wenn ja, wünsche ich Dir nicht, dass Du daraus jetzt ein neues Projekt machst, das sich Nervensystem regulieren nennt. Genau das würde nur eine weitere Aufgabe auf Deine Liste setzen, und darum geht es hier nicht.

Nimm Dir für diese Woche stattdessen eine einzige kleine Sache vor. Teste einen der beiden Anker aus diesem Artikel, oder beobachte einfach mal, an welchem Wochentag Deine Anspannung am höchsten ist. Mehr braucht es fürs Erste nicht.

Und wenn Du tiefer einsteigen willst in einen der Gründe, warum wir uns beschäftigt halten, dann ist mein Online Kongress „Sicher in Dir“ vielleicht der richtige Ort dafür.

40 Sprecherinnen und Sprecher aus unterschiedlichen Bereichen teilen dort ihre Perspektiven auf das Thema „sich innerlich sicher fühlen können“ und zeigen Wege, wie sich echte innere Sicherheit aufbauen lässt, ganz ohne noch mehr Funktionieren.