Bei Dir ankommen: Wie echte Verbindung zu Dir selbst Veränderung möglich macht

by | Juni 1, 2026

Die Aussage: „Komm wieder zu Dir selbst“ oder „Komm wieder bei Dir selbst an“ klingt inzwischen etwas abgedroschen und unklar was damit gemeint ist. Und auch nicht, wie das genau umgesetzt werden soll. Und dann die Frage: War ich schon jemals bei mir selbst?

Es mag verschiedene Auffassungen dazu geben, ich kann da natürlich nur von dem sprechen, was es für mich bedeutet. Zunächst mal ein Beispiel, das anzeigt, wenn ich nicht bei mir bin:


Wenn Rechtfertigen zur zweiten Haut wird

Es beginnt oft unscheinbar. Ein Gespräch, das erstmal wie immer ist. Und dann fällt die ein oder andere Aussage, die einen alt bekannten Mechanismus in Gang setzt. Und schon bin ich wieder dabei mich zu erklären, zu rechtfertigen. Mein Körper reagiert mit Schultern hochziehen, flachem Atem, verspanntem und hartem Bauch. Auch mein Wahrnehmungsfeld verengt sich. Kennst Du das?

In solchen Momenten läuft das alte Programm ab, das ich in meiner Kindheit v.a. durch meine Mutter gelernt habe: „Ich bin eine schlechte Tochter und das ist nicht ok“. Also bin ich nicht ok. Und ich habe ein subtiles ständiges Schuldgefühl entwickelt, das zu Rechtfertigung als Schutzreaktion griff. Ich wollte das so natürlich nicht fühlen müssen. Daher fand ich immer schnell Gründe, warum ich so oder so reagiert habe. Oder wenn ich mich missverstanden fühlte, wollte ich das gerade rücken. Damit ich nicht unverdienterweise als „schlechte „Tochter dastehe.

Heute, als Erwachsene, taucht dieses Muster auch immer wieder mal auf – in Freundschaft- und Partnerschaftsbeziehungen, und auch immer wieder mit meiner Mutter. Auch wenn die sich inzwischen innerlich längst weiter entwickelt hat und mich nicht mehr mit Vorwürfen herausfordert. Aber es klingt für mich dennoch oft so, weil ich das v.a. bei ihr so abgespeichert habe. Und sofort ist da Anspannung und ein inneres Ziehen. Unbewusst möchte ich dem Gefühl von „nicht gut genug zu sein“ oder eben was „falsch „gemacht zu haben ausweichen.

Mögliche Ursachen und Umgangsweisen

Auf keinen Fall etwas falsch machen zu wollen hängt oft mit Perfektionismus zusammen. Der lässt nicht zu, dass man sich vielleicht mal nicht „korrekt“ verhalten hat.

Nach außen hin verteidigt man sich und nach innen hin gibt man sich dann selber eins drauf. Weil Perfektionismus und Selbstkritik meist Hand in Hand gehen. Es entsteht der Eindruck ein Spielball der Geschehnisse zu sein. Durch diesen Mechanismus wird dann versucht die Kontrolle zu behalten, wenn man mal wieder auf eine „Mine“ getreten ist.

Dieses Gefühl, „irgendwie fremdbestimmt zu sein“ und unter Druck zu stehen kennen offenbar über 60% der Menschen regelmäßig. Das Ergebnis sind Stress, innere Unruhe und Erschöpfung.

Was mir geholfen hat, war zu erkennen, dass all diese Reaktionsketten dann ablaufen, wenn ich „nicht bei mir“ bin. Wenn ich irgendwas Übernommenes als „meins“ abgespeichert habe. Es geht also um: Innehalten und Hinspüren.

Zu merken: Wann bin ich wirklich „bei mir“ – und wann reagiere ich nur aus alten Mustern? Es ist wie ein innerer Kompass, der mir zeigt, welche alten Erlebnisse ich bereits integriert habe und wann die Vergangenheit mich gerade wieder mal einholt.

Diese Muster sind in unserem Nervensystem und sonstigen Strukturen des Körpers gespeichert und werden schnell wieder aktiviert. Da das unbewusst läuft, hilft ein zusammenreißen meistens nicht. Das entzieht sich unserer bewussten Kontrolle.


Innere Überzeugungen aufspüren: Wie alte Muster unser Leben steuern

Ich habe mal irgendwo in einem Artikel über Psychologie gelesen:

  • das erste Drittel unseres Lebens lernen wir durch die Prägung wie oben erwähnt
  • das zweite Drittel leben wir diese Prägung aus
  • im letzten Drittel (bzw heutzutage fängt das bei einigen auch schon im zweiten Drittel an) finden wir oft heraus, dass wir ganz anders sind, als wir dachten und ent-wickeln uns wieder aus all den übergestülpten Schichten heraus.

Das heisst ein Erkennen und Ablegen von jetzt hinderlichen Überzeugungen, Haltungen und Rollen. Zumindest wenn uns das wichtig ist und wir unter dem, wie es läuft, leiden bzw uns auf den Weg machen wollen, unser Leben sinnvoller, präsenter und freier zu gestalten.

Sich rechtfertigen ist nur eines vieler Muster, die uns fremdbestimmt und auf „Minenfeldern“ umherwandeln fühlen lassen. Vielleicht ist es bei Dir ein anderes. Aber für alle gilt: Nur drüber nachzudenken und es Dir vornehmen wirst Du nicht so einfach bei Dir sein. Die „Tretminen“, die das Leben so bringt, beseitigen sich dadurch alleine nicht. Das liegt an unsichtbaren Fäden, die aus der Vergangenheit wirken, die Du als wahr übernommen hast, ohne es zu merken. Das können Überzeugungen sein wie: „Ich muss perfekt sein.“ „Ich darf niemanden enttäuschen.“ „Meine Bedürfnisse sind nicht so wichtig.“

Ursprung, Verkettung und Lösung

Diese Sätze entstehen meist in der Kindheit – geprägt von Familie, Schule, Gesellschaft. Sie wirken wie ein unsichtbares Drehbuch, das Deine Entscheidungen und Gefühle steuert. Typische Muster sind People-Pleasing (es allen recht machen wollen), Perfektionismus oder immer für alle dasein außer für Dich selbst. Vielleicht erkennst Du Dich darin wieder: Du sagst „Ja“, obwohl Du „Nein“ meinst. Du arbeitest bis zur Erschöpfung, weil Du glaubst, sonst nicht wertvoll zu sein.

Besonders Perfektionismus kann zu chronischer Unzufriedenheit führen. Das Loslassen dieser Glaubenssätze, die quasi unsere Identität bilden, ist oft schwer – sie fühlen sich an wie ein sicherer Hafen, auch wenn sie uns einengen.

Aber Veränderung ist möglich. Der erste Schritt: Erkenne, was wirklich zu Dir gehört – und was nicht. Frage Dich: „Wem will ich eigentlich gefallen? Was brauche ich für mich selber wirklich und was nur, weil ich jemand andseres nicht enttäuschen will?“ Es ist ein Prozess des Entlernens, ein behutsames Abstreifen alter Rollen. Manchmal braucht es Mut, sich von Erwartungen zu lösen. Doch jeder kleine Schritt bringt mehr Freiheit, mehr Leichtigkeit, mehr Du.


Selbstmitgefühl und Achtsamkeit: Dein Weg zu innerer Freiheit

Dieses Ent-wickeln geschieht am Leichtesten, wenn man sich dabei liebevoll wie einem kleine Kind gegenüber verhält. Und sich nicht jedes mal selber runtermacht, wenn man mal wieder – sinnbildlich – in die Grube gefallen ist. Vielleicht kennst Du diese Stimme im Kopf: „Das hast Du schon wieder falsch gemacht.“ oder „Warum hattest Du Dich schon wieder nicht unter Kontrolle?“

Dieser innere Kritiker war bei mir Jahre lang super laut. Und ich hab mich jedes Mal wie selber „gehauen“, wenn mal wieder alte Muster auftauchten. Heute mit einem riesigen Batzen Mitgefühl und Geduld mit mir selbst, fühlt sich dieser Weg nicht mehr steinig an. Er lässt sich eher beschwingt wandern und es finden sich sinnbildlich immer wieder einigen „Blumenwiesen am Wegesrand“, die zum Verweilen einladen. In mir wurde eine Art Neugier und Forschergeist geweckt, so dass es nun weniger um das Ziel als mehr um den Weg selber geht.

Falls du auch dazu neigst, sehr ungnädig zu Dir zu sein – was wäre, wenn Du lernst, Dich selbst mit Freundlichkeit zu betrachten – auch in schwierigen Momenten?

So, wie Du einem guten Freund/Freundin begegnen würdest: Mit Verständnis, Geduld und Wärme. Es ist kein Selbstmitleid und keine Selbstoptimierung, sondern ein liebevolles Annehmen dessen, was gerade ist.

Meist – oder wahrscheinlich sogar immer – ist es irgendein innerer Kindanteil von Dir, der lange unterdrückt und im Unterbewusstsein versteckt war. Zumindest kenn ich das von mir und den Menschen, mit denen ich arbeite.


Eine kleine Übung:

Sie geht erst mal nicht in die Tiefe, aber kann viel bewirken. Du lernst dabei, Dich von Gedanken und Gefühlen zu de-identifizieren:

Lege die Hand auf Deinen Bauch oder Deine Brust. Spüre den Kontakt. Atme ein, atme aus. Nimm wahr, was gerade da ist – ohne zu bewerten. Vielleicht tauchen Gedanken auf, vielleicht Gefühle. Lass sie kommen und gehen, wie Wolken am Himmel. Diese achtsamen Momente bringen Dich zurück ins Hier und Jetzt, zu Dir selbst. Du merkst, dass Du nicht diese Gedanken und Gefühle bist, sondern diese einfach auftauchen, wie auf einer Leinwan

Das klingt vielleicht abgedroschen und steht in jedem Selbsthilferatgeber. Der Punkt ist: So lange Du es nur liest, gähnst und „ja,ja“ sagst wird es nicht die Wirkung entfalten… Ich kenn das gut. Ich habe meistens die Übungen auch ausgelassen und dann das nächste Buch gekauft, weil das andere ja nicht geholfen hat…

Das ist auf jeden Fall super für alle Buchautoren, aber Veränderung bringt es wohl kaum.

Wenn Du jedoch die Übung, so profan sie auch klingen mag, dann doch häufiger machst, wirst Du mit der Zeit merken: Du musst eben nicht perfekt sein, um wertvoll zu sein. Du darfst Fehler machen, Grenzen setzen, für Dich sorgen. Du verlässt Dich nicht mehr ständig selber im Moment, wenn unangenehme Gefühle drohen. Und plötzlich entsteht Raum – für für innere Freiheit, für echte Veränderung.

Die Transformationskraft des Herzens

Und mir persönlich hilft heute mit allem was gerade ist – sei es, dass ich innerlich in Aufruhr bin, dass mich etwas stresst, dass ich schon wieder in ein altes Muster gekippt bin und mich aus einem weiteren alten Muster dann noch dafür verurteile – mit all dem einfach in mein Herz zu „gehen“. Dort spüre ich meine Essenz und meine Anbindung an das große Ganze am deutlichsten. Und dann kehrt Frieden ein, mit mir, mit dem wie es grade ist oder war.

Diese Reise ins Herz ist ein Bestandteil des Online Seminars „Somatic Flow Experience“. Ich binde sie aber auch in meinen 1:1 Sitzungen ein, wenn sie mir förderlich in der Situation erscheint.

Und manchmal spürt man da erstmal keine Weite, sondern eher Enge und es ist überhaupt unangenehm. Das kann sein. Unser Körper speichert vergangene Erfahrungen und gerade das Herz ist so sensibel für Enttäuschungen und emotionale Verletzungen. Aber das ist kein Grund, Abstand davon zu nehmen. Gerade dann ist es für ein erfülltes Leben hilfreich und notwendig, sich dem zuzuwenden und Stück für Stück die schmerzhaften Erfahrungen zu „erlösen“. Das Herz ist unsere Superpower. Das ist nix Neues. Aber es ist eine Sache, das theoretisch zu wissen und eine andere, es wirklich zu spüren und sich diese Kraftquelle wieder zu erschließen.


Fazit: Bei Dir ankommen – der Beginn echter Veränderung

Am Ende geht es also nicht darum, nie wieder zu zweifeln und schon gar nicht immer super zu funktionieren. Es geht mehr darum, immer mehr dahin zu kommen, dass Du das Gefühl hast, in Kontakt zu sein mit dem „tieferen Teil“ in Dir. Der Teil, der mit Großherzigkeit auf die Dinge schauen kann, der für sich einsteht und der auch die kleinen verletzten Anteile in Dir halten kann. Mit jedem bewussten Atemzug, jedem freundlichen Gedanken Dir selbst gegenüber, jedem kleinen Schritt, wächst Deine innere Klarheit und Deine Herzenskraft, so dass Dein Leben drumherum nicht anders kann als da nachzuziehen.

Probier es aus: Nimm Dir heute fünf Minuten Zeit, halte inne, spüre Deinen Körper, Deine Gefühle, Deine Gedanken. Reise eine Etage tiefer aus Deinem Kopf in Dein Herz. Sei neugierig. Was verändert sich? Vielleicht ist das der erste Schritt auf Deinem Weg zu Dir selbst, zu mehr Verbundenheit auch mit der Welt um Dich herum und zu mehr innerer Freiheit.

Und wenn Du Unterstützung wünschst auf Deinem Weg und gern in der Tiefe eintauche möchtest, buch Dir hier gern ein unverbindliches, kostenloses Orientierungsgespräch: